Bis ins 19. Jahrhundert, in manchen Fällen sogar bis ins 20. Jahrhundert, war das Überleben der Grödner Bevölkerung von der Selbstversorgung der Bergbauernhöfe abhängig. Der Boden in Gröden ist nicht besonders fruchtbar, da das Tal 1150 Höhenmeter in St. Ulrich bis 1700/1800 Höhenmeter in Wolkenstein misst. Zudem ist die Zeitspanne, in der der Boden bewirtschaftet werden kann, relativ kurz, und im Winter ist es sehr kalt. In schlechten Jahren musste man sogar die Kartoffeln und die Rüben mit der Spitzhacke unter dem Schnee hervorholen. Außerdem sind die Bedingungen in diesem Tal weder für den Anbau von Getreide noch für jenen von Weinreben oder anderen Obstarten geeignet. Deshalb war bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts die Viehwirtschaft der Hauptwirtschaftszweig für den Großteil der Einwohner, was typisch für Bergtäler ist. Anfänglich stellte die handwerkliche Heimarbeit nur einen sehr kleinen Teil des Einkommens der Grödner Familien dar und die Arbeit auf den Feldern war nicht sonderlich ertragreich, so dass sie fast ausschließlich für den Eigenbedarf ausgeübt wurde. Normalerweise hielt man Milchkühe, Ochsen und manchmal auch Schweine. Obwohl die Grödner durch das Handwerk ein besseres Leben führen konnten als in den benachbarten Tälern, waren sie ziemlich arm. Die Produkte, die die Bauern herstellten, wurden verkauft oder eingetauscht, um Nahrungsmittel oder Werkzeug zu kaufen. Die Knappheit an Bargeld, eine typische Charakteristik von Bergdörfern, war ein weiterer Grund für die Notwendigkeit der handwerklichen Fertigung von Erzeugnissen, die auf dem Markt verkauft werden konnten. Eines dieser Produkte war der Loden, eine besondere Filzart, die zur Herstellung von den traditionellen Kleidern der bayerisch-tiroler Kultur diente. Im 16. Jahrhundert war der Loden aus Gröden der hochwertigste und am meisten verbreitete in Tirol. Erst im 17. Jahrhundert fingen die Frauen und Mädchen des Tales mit dem Klöppeln an und die Männer mit der Holzschnitzerei.
- Holzschnitzereien
- Gröden / Gherdëina
- Geschichte des Grödner Handwerks
- Geschichte des Grödner Handwerks
- Ersten Formen handwerklicher Heimarbeit
- Die Köppelkunst
- Die Holzschnitzerei
- Die ersten Kaufleute
- Das Bemalen und das Vergolden
- Der Verleger
- Die heimindustriellen Arbeiter
- Entwicklung der Holzschnitzerei
- Die Grödner Bahn
- Kriegszeiten
- Nach dem Zweiten Weltkrieg
- Die Industrialisierung
- Schlussfolgerungen
Die ersten Formen handwerklicher Heimarbeit als zusätzliche Erwerbsquelle zur Landwirtschaft
Bergland » Die ersten Formen handwerklicher Heimarbeit als zusätzliche Erwerbsquelle zur Landwirtschaft
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