Gröden / Gherdëina

Allgemeine Einleitung
Gröden liegt im Herzen der Dolomiten, die weltweit wegen ihrer senkrechten Felswände und den atemberaubenden Ausblicken bekannt sind. Am 26. Juni 2009 wurde diese Gebirgskette wegen deren Einzigartigkeit und landschaftlichen Schönheit von der UNESCO in die Liste der Weltnaturerbe-Denkmäler aufgenommen. Das Tal gehört zur Autonomen Provinz Bozen – Südtirol und befindet sich im äußersten Norden der Republik Italien. Südtirol grenzt im Süden an die italienische Autonome Provinz Trient, im Südosten an die italienische Region Venetien, im Norden an Österreich, im Nordwesten an die Schweiz und im Westen an die italienische Region Lombardei. Während der Geschichte stand dieses Gebiet unter verschiedenen Herrschaften, bis es 1920 von Italien annektiert wurde. Davor gehörte es zu Tirol, im damaligen Österreich-Ungarn, weshalb auch noch heutzutage die Mehrheit der Südtiroler Deutsch spricht. Nicht nur die sprachliche Vielfalt, sondern auch die besondere Südtiroler Kultur haben im Jahre 1972 dazu beigetragen, dass das Autonomiestatut seitens der Republik Italien anerkannt wurde. Südtirol wird als beneidenswertes Autonomiemodell angesehen, das nicht wenige Minderheiten anstreben. Es basiert auf das friedliche Zusammenleben drei verschiedener Sprachgruppen: der italienischen, der deutschen und der ladinischen. Ladinisch wird in allen fünf Tälern rund um das Sellamassiv gesprochen: in Gröden, im Gadertal, im Fassatal, in Ampezzo und in Buchenstein. Ladinisch ist eine romanische Sprache, die aus der Vermischung des Rätischen mit dem Latein entstand, das sich um 15 v. Chr. durch die Römer in den Alpen verbreitete. Bis vor einigen Jahrhunderten wurde diese rätoromanische Sprache in einem großen Gebiet der Alpen gesprochen. Im Laufe der Jahre verschwand sie jedoch fast vollständig wegen des Einflusses der deutschen Sprache von Norden und der italienschen Sprache von Süden. Außer den Dolomitengebieten gibt es noch zwei weitere rätoromanische Sprachinseln: Eine befindet sich in Graubünden in der Schweiz und die andere in der italienischen Autonomen Region Friaul-Julisch-Venetien. Der Großteil der Grödner (etwa 85-90 %) spricht Ladinisch wie auch Deutsch und Italienisch. Das wird unter anderem durch ein paritätisches Schulsystem gefördert: Die Schüler sind vom ersten Tag an mit diesen Sprachen in Kontakt, die auch als Unterrichtssprache für die verschiedenen Fächer verwendet werden. Zudem gibt es etliche kulturelle Einrichtungen, die die Erforschung, den Gebrauch und die Verbreitung des Ladinischen unterstützen, indem sie sich aktiv in die Redaktion von Zeitungen sowie Fernseh- und Radioprogrammen einbringen, Literatur- und Wörterbücher verfassen und sammeln sowie Konzerte, Ausstellungen und verschiedenste Veranstaltungen organisieren. Das Tal ist somit offiziell dreisprachig, was man auch an den Ortsnamen sehen kann, die immer in allen drei Sprachen angegeben sind.

Die ersten Siedlungen
Die ersten menschlichen Siedlungen in Gröden gehen auf die Zeit der Urgeschichte zurück. Fundstücke wie Pfeilspitzen, Nadeln und weitere Werkzeuge, die am Fuße des Sellamassivs gefunden wurden, bezeugen die Anwesenheit von Menschen um 6000 v. Chr. Diese Gegenstände gehörten wahrscheinlich Wanderjägern, die sich auf Essenssuche in den Sommermonaten im Tal aufhielten. Weitere wichtige Funde kommen vom Col de Flam oberhalb von St. Ulrich und bestehen aus Eisenäxten, Bronzefibeln, Schmuck, gallischen Langschwertern und verschiedenen Geräten, die auf das Jahr 400 v. Chr. datierbar sind. Das erste sesshafte Volk in Gröden sind die Räter. 15 v. Chr. erobert der römische Feldherr Drusus die alpinen Gebiete und drängt die Räter in die nur schwer zugänglichen Täler zurück. Die genaue Herkunft dieses Volkes ist noch immer unklar: Vielleicht handelt es sich dabei um kleine Gruppen von Ligurern, Illyro-Venetern, Etruskern, Galliern und nordischen Völkern, die von den Römern so benannt wurden.

Namensherkunft Der Name „Gröden“ kommt aus dem Lateinischen „forestum ad Gredine“, was „Waldgebiet in Gröden“ heißt. Diese Bezeichnung stammt aus einer Urkunde aus dem Jahr 999 n. Chr., in der bestätigt wird, dass der bajuwarische Gaugraf Otto von Andechs dem Bischof Gottschalk von Freising dieses Gebiet übergibt. Interessant ist der Grund dieser Spende: Da man zu jener Zeit dachte, dass im Jahre 1000 n. Chr. die Welt untergehen würde, stifteten jene, die über Besitztümer verfügten, einen Teil davon der Kirche in der Hoffnung auf eine Belohnung im Jenseits.

Geographie
Gröden ist ein Seitental des Eisacktales und dehnt sich von Osten nach Westen auf 25 km aus. Die Höhenmeter im Tal reichen von 2244 m am Sellajoch bis zu 471 m in Waidbruck. Bei Pontives liegt die deutsch-ladinische Sprachgrenze und der eigentliche Anfang Grödens. Durch das Tal fließt der Grödner Bach (ital. Rio Gardena, lad. Derjon), der am Sellajoch entspringt und in Waidbruck in den Eisack mündet. Gröden umfasst drei Gemeinden: St. Ulrich (ital. Ortisei, lad. Urtijëi), St. Christina (ital. S. Cristina, lad. S. Crestina) und Wolkenstein (ital. Selva Gardena, lad. Sëlva). Die Fraktionen Pufels (ital. Bulla, lad. Bula), Runggaditsch (ital. Roncadizza, lad. Runcadic) und Überwasser (ital. Oltretorrente, lad. Sureghes) gehören geographisch und sprachlich zu Gröden, sind aber seit alters her der Gemeinde Kastelruth (ital. Castelrotto, lad. Ciastel) einverleibt. St. Ulrich ist der Hauptort Grödens und zählt etwa 6000 Einwohner. Das Dorf sieht auf eine lange und intensive Geschichte im Handel mit Handwerksprodukten aus Holz zurück. Es weist vier wichtige Kirchen auf: die mittelalterliche St. Jakobskirche, die St. Antoniuskirche auf dem gleichnamigen Platz, die Friedhofskirche St. Anna und die Pfarrkirche, die dem Heiligen Ulrich geweiht ist. Wegen des stetigen Bevölkerungswachstums wurde die Hauptkirche des Hl. Ulrich, die 1342 erbaut wurde, 1793 runderneuert. Das war vor allem Dank der Großzügigkeit der vermögenden Dorfbewohner möglich. Die Kirche wurde um Einrichtungsgegenstände und Ornamente, die von den besten Künstlern und Handwerkern des Tales gefertigt worden waren, bereichert. St. Christina liegt in der geographischen Mitte des Tales und ist mit ihren etwa 1900 Einwohnern die am wenigsten bevölkerte Gemeinde. Sie liegt genau gegenüber dem Symbolberg Grödens, dem majestätischen Langkofel (3181 m), der jedes Jahr von zahlreichen Bergsteigern erklommen wird. Durch den Bau einer Umfahrungsstraße im Jahre 2009 gelang es, den Verkehr vom Dorfzentrum wegzuleiten. Seitdem können die Einwohner und die zahlreichen Touristen ein viel ruhigeres und angenehmeres Leben im Ort genießen. Wolkenstein liegt auf 1563 m und zählt etwa 2600 Einwohner. Von Wolkenstein aus kann man das Sellamassiv, den Langkofel und den Puez bestaunen. Wolkenstein grenzt im Osten an die Pässe, die die Umrundung des Sellamassivs ermöglichen, und über die man in zwei weitere ladinische Täler gelangt: ins Gadertal über das Grödnerjoch und ins Fassatal über das Sellajoch. Wolkenstein ist sowohl im Winter wie im Sommer einer der beliebtesten Ferienorte.

Klima
Durch den Einfluss des gemäßigten Klimas des Eisacktales herrscht in Gröden, trotz seiner Höhenlage, ein relativ mildes Klima vor. Der sonnenreichste Monat ist der Juli, in dem die Höchsttemperaturen bei 25°C liegen. Doch ist das Tal gut vor drückender Schwüle geschützt, die in einigen tiefer gelegenen Tälern vorkommt. Die wärmsten Sommermonate sind Juli und August. Der Herbst ist normalerweise milder als der Frühling. Die Monate November und Dezember sind mäßig kalt mit wenig Niederschlag. Im Winter gibt es reichlich Schneefall sowie kalte und trockene Tage, die aber vorwiegend sonnig ausfallen. Der Januar ist der kälteste Monat im Jahr, auch wenn die Schneefälle im Februar zweifellos stärker sind. Da das Tal nur in Richtung Westen offen ist, ist es gut vor den kalten Nordwinden geschützt. Die Seceda, die Geislerspitzen und der Puez sind natürliche Barrieren des Tales, in dem neblige oder windige Tage somit eine wahre Seltenheit sind. Nichtsdestotrotz sollte man die klimatischen Nachteile in alpinen Regionen nicht unterschätzen, denn der Frühling fängt mit erheblicher Verspätung an; wenn, zum Beispiel, in St. Ulrich die ersten Bäume blühen, kann man in Bozen schon die Kirschen ernten. Die Häuser stehen in einem Gebiet zwischen 1150 und 1700 m. Besonders benachteiligt sind davon jene, die sich auf der Schattenseite des Tales befinden. Die Lage der Gebäude kann also eine größere Rolle als deren Höhenlage spielen. Die klimatischen Bedingungen des Tales sind nicht für den Getreideanbau, wie zum Beispiel Weizen, Roggen, Gerste oder Hafer, geeignet. Deshalb bestehen die landwirtschaftlich genutzten Flächen fast ausschließlich aus Wiesen und Weiden. Gröden eignet sich mehr zur Viehzucht dank des ausgezeichneten Heus, das, im Hochgebirge gemäht, auch für die sogenannten „Heubäder“ verwendet wird. Sehr verbreitet ist diese Aktivität auf der Seiser Alm, dem größten Hochplateau Europas. Auch heute noch bedeckt Wald große Flächen der Talhänge, vor allem in der Gemeinde St. Ulrich. Dabei handelt es sich, wie übrigens in ganz Südtirol, um Nadelwald. Laubbäume sind eher selten und die wenigen, die es gibt, wachsen in der Nähe des Grödner Baches. Die Baumgrenze liegt bei etwa 2150 m, während auf etwa 2300 m nur mehr kleine Bäume zu finden sind. Die Wälder bestehen hauptsächlich aus Fichten und Lärchen, aber man findet auch Tannen, Föhren und Zirbelkiefern vor.

Die erfolgreiche Kombination von Tourismus und traditionellem Handwerk
Der tragende Wirtschaftsektor in Gröden ist der Tourismus, aber jener des traditionellen Holzhandwerks reiht sich gleich dahinter ein. Es sind diese beiden Wirtschaftszweige, die Gröden zu seinem weltweit bekannten Namen verholfen haben. Die Schönheit der Berge und das ausgezeichnete Angebot an touristischen Infrastrukturen ermöglichen sowohl im Sommer wie auch im Winter, in diesem Tal sportlich aktive und naturverbundene Ferien zu verbringen. Gröden bietet in den Wintermonaten zahlreiche Aufstiegsanlagen für den alpinen Skilauf und kilometerlange Loipen für den Langlauf. Im Sommer lädt die atemberaubende Berglandschaft zum Spazieren, Wandern, Klettern und Mountainbike Fahren ein. Geschichtlich gesehen bilden aber die Bildhauerei und die Holzschnitzerei die Basis für die wirtschaftliche Blüte Grödens. Über einige Jahrhunderte lang hat dieser Wirtschaftszweig vielen Familien Grödens Arbeit gegeben und auch heutzutage gibt es noch etliche Firmen, selbstständige Bildhauer und Kunst- wie auch Berufsschulen, die diese Aktivität ausüben und auf die die Grödner berechtigterweise stolz sind. Die Grödner Holzkunstwerke sind auf der ganzen Welt bekannt. Es ist tatsächlich undenkbar, nicht von Gröden zu sprechen, wenn es um Holzskulpturen geht. Die Schönheit und die Einzigartigkeit der Grödner Produkte bestätigen, dass eine gut gepflegte Tradition ein Synonym für Qualität werden kann. Im Tal wird alles Mögliche aus Holz hergestellt: sakrale Figuren wie zum Beispiel Madonnas, Kruzifixe, Weihnachtskrippen, Heilige, Engel und Weihwassergefäße sowie profane Figuren wie zum Beispiel Tiere, Skifahrer, Masken, Clowns, historische oder berühmte Persönlichkeiten. Zudem werden auch Designobjekte wie zum Beispiel Stühle, Tische, Spiegel, Lampen und Nussknacker sowie viele weitere Artikel erzeugt.

Die ladinische Sprache und das Museum
Wie schon erwähnt, ist das Ladinische die älteste Sprache im Alpenraum: Sie entstand im 1. Jahrhundert n. Chr. aus der Verschmelzung der keltischen Kultur der Räter und jener der Römer. Die verschiedenen Völkerwanderungen waren für diese Sprache eine starke Bedrohung. Glücklicherweise hat sie aber in einigen Seitentälern überlebt: in Gröden, im Gadertal, im Fassatal, in Buchenstein, rund um Cortina d’Ampezzo sowie auch in der italienischen Autonomen Region Friaul-Julisch-Venetien und in Graubünden in der Schweiz. Die ladinische Sprache ist eine der prägendsten Besonderheiten Grödens und hat das Interesse vieler Sprachwissenschaftler geweckt. Auch wenn Ähnlichkeiten mit dem Italienischen bestehen, sind ihre Rechtschreibung, ihr Wortschatz und ihre Aussprache doch sehr anders. Außerdem ist sie tausend Jahre vor der italienischen Sprache entstanden und ist kein Dialekt, wie manche immer noch fälschlicherweise glauben. Leider hat der moderne technologische Fortschritt die Grödner dazu gezwungen, Wörter anderer Sprachen zu verwenden, um neue Begriffe und Gegenstände zu beschreiben, die in der ursprünglichen Sprache nicht zu finden sind. Der Großteil der assimilierten Wörter kommt aus dem Deutschen, dem Italienischen oder dem Englischen, was eine unvermeidliche Verarmung der Sprache selbst mit sich bringt. Eine interessante Tatsache ist, dass die Grödner dank des Ladinischen andere Sprachen sehr viel leichter und schneller erlernen können. Einer der Ersten dies zu bezeugen, war der berühmte Minnesänger Oswald von Wolkenstein, dem seine Ladinischkenntnisse auf seinen vielen Reisen immer von großer Hilfe beim Erlernen anderer romanischer Sprachen waren. Der erste, der sich hingegen auf philologischer Ebene mit der ladinischen Sprache abgegeben hat, war der aus dem Fassatal stammende Pfarrer der Gemeinde St. Ulrich, J. A. Vian. Er führte eine gründliche Untersuchung der ladinischen Grammatik und des ladinischen Wortschatzes durch und sammelte in einem Buch die idiomatischen Formen dieser Sprache. Sein Text war der Ausgangspunkt für die Arbeit vieler anderer Gelehrter. Heute ist die ladinische Sprache offiziell als solche anerkannt und Tausende Lemmata sind mit ihrer Übersetzung und Beschreibung in Wörterbuchern festgehalten. Einige Sprachwissenschaftler schätzen, dass 80 % der ladinischen Wörter vom Vulgärlatein stammen, 15 % vom Germanischen und der Rest von der antiken Sprache der Räter. Im Museum de Gherdëina in St. Ulrich, das 1960 gegründet wurde, kann man viele Zeugnisse der ladinischen Kultur und Tradition besichtigen. Es befindet sich in der Cësa di Ladins („Haus der Ladiner“) und beherbergt interessante Sammlungen, die die Entwicklung der Holzschnitzerei vom 16. Jahrhundert bis heute dokumentieren, sowie geologische und archäologische Entdeckungen des Dolomitengebiets. Eine Dauerausstellung veranschaulicht das abenteuerliche Leben des berühmten Grödner Filmemachers und Bergsteigers Luis Trenker (1892-1990). Das Bestehen und die Arbeit des Museums, das zahlreiche kulturelle Veranstaltungen sowie geschichtliche und wissenschaftliche Forschungsaktivitäten fördert, wären nicht ohne die Union di Ladins de Gherdëina möglich. Dieser gemeinnützige Verein wurde 1946 gegründet und ist Teil der Union Generela di Ladins dla Dolomites, dem wichtigsten kulturellen Verein Ladiniens. Die Union di Ladins de Gherdëina fördert die ladinische Sprache und Kultur durch Fernseh- und Radiosendungen wie auch durch Veröffentlichungen, Ausstellungen, Konzerte und Theateraufführungen.

Die erfolgreiche Kombination von Tourismus und traditionellem Handwerk
Der tragende Wirtschaftsektor in Gröden ist der Tourismus, aber jener des traditionellen Holzhandwerks reiht sich gleich dahinter ein. Es sind diese beiden Wirtschaftszweige, die Gröden zu seinem weltweit bekannten Namen verholfen haben. Die Schönheit der Berge und das ausgezeichnete Angebot an touristischen Infrastrukturen ermöglichen sowohl im Sommer wie auch im Winter, in diesem Tal sportlich aktive und naturverbundene Ferien zu verbringen. Gröden bietet in den Wintermonaten zahlreiche Aufstiegsanlagen für den alpinen Skilauf und kilometerlange Loipen für den Langlauf. Im Sommer lädt die atemberaubende Berglandschaft zum Spazieren, Wandern, Klettern und Mountainbike Fahren ein. Geschichtlich gesehen bilden aber die Bildhauerei und die Holzschnitzerei die Basis für die wirtschaftliche Blüte Grödens. Über einige Jahrhunderte lang hat dieser Wirtschaftszweig vielen Familien Grödens Arbeit gegeben und auch heutzutage gibt es noch etliche Firmen, selbstständige Bildhauer und Kunst- wie auch Berufsschulen, die diese Aktivität ausüben und auf die die Grödner berechtigterweise stolz sind. Die Grödner Holzkunstwerke sind auf der ganzen Welt bekannt. Es ist tatsächlich undenkbar, nicht von Gröden zu sprechen, wenn es um Holzskulpturen geht. Die Schönheit und die Einzigartigkeit der Grödner Produkte bestätigen, dass eine gut gepflegte Tradition ein Synonym für Qualität werden kann. Im Tal wird alles Mögliche aus Holz hergestellt: sakrale Figuren wie zum Beispiel Madonnas, Kruzifixe, Weihnachtskrippen, Heilige, Engel und Weihwassergefäße sowie profane Figuren wie zum Beispiel Tiere, Skifahrer, Masken, Clowns, historische oder berühmte Persönlichkeiten. Zudem werden auch Designobjekte wie zum Beispiel Stühle, Tische, Spiegel, Lampen und Nussknacker sowie viele weitere Artikel erzeugt.

Die ladinische Sprache und das Museum
Wie schon erwähnt, ist das Ladinische die älteste Sprache im Alpenraum: Sie entstand im 1. Jahrhundert n. Chr. aus der Verschmelzung der keltischen Kultur der Räter und jener der Römer. Die verschiedenen Völkerwanderungen waren für diese Sprache eine starke Bedrohung. Glücklicherweise hat sie aber in einigen Seitentälern überlebt: in Gröden, im Gadertal, im Fassatal, in Buchenstein, rund um Cortina d’Ampezzo sowie auch in der italienischen Autonomen Region Friaul-Julisch-Venetien und in Graubünden in der Schweiz. Die ladinische Sprache ist eine der prägendsten Besonderheiten Grödens und hat das Interesse vieler Sprachwissenschaftler geweckt. Auch wenn Ähnlichkeiten mit dem Italienischen bestehen, sind ihre Rechtschreibung, ihr Wortschatz und ihre Aussprache doch sehr anders. Außerdem ist sie tausend Jahre vor der italienischen Sprache entstanden und ist kein Dialekt, wie manche immer noch fälschlicherweise glauben. Leider hat der moderne technologische Fortschritt die Grödner dazu gezwungen, Wörter anderer Sprachen zu verwenden, um neue Begriffe und Gegenstände zu beschreiben, die in der ursprünglichen Sprache nicht zu finden sind. Der Großteil der assimilierten Wörter kommt aus dem Deutschen, dem Italienischen oder dem Englischen, was eine unvermeidliche Verarmung der Sprache selbst mit sich bringt. Eine interessante Tatsache ist, dass die Grödner dank des Ladinischen andere Sprachen sehr viel leichter und schneller erlernen können. Einer der Ersten dies zu bezeugen, war der berühmte Minnesänger Oswald von Wolkenstein, dem seine Ladinischkenntnisse auf seinen vielen Reisen immer von großer Hilfe beim Erlernen anderer romanischer Sprachen waren. Der erste, der sich hingegen auf philologischer Ebene mit der ladinischen Sprache abgegeben hat, war der aus dem Fassatal stammende Pfarrer der Gemeinde St. Ulrich, J. A. Vian. Er führte eine gründliche Untersuchung der ladinischen Grammatik und des ladinischen Wortschatzes durch und sammelte in einem Buch die idiomatischen Formen dieser Sprache. Sein Text war der Ausgangspunkt für die Arbeit vieler anderer Gelehrter. Heute ist die ladinische Sprache offiziell als solche anerkannt und Tausende Lemmata sind mit ihrer Übersetzung und Beschreibung in Wörterbuchern festgehalten. Einige Sprachwissenschaftler schätzen, dass 80 % der ladinischen Wörter vom Vulgärlatein stammen, 15 % vom Germanischen und der Rest von der antiken Sprache der Räter. Im Museum de Gherdëina in St. Ulrich, das 1960 gegründet wurde, kann man viele Zeugnisse der ladinischen Kultur und Tradition besichtigen. Es befindet sich in der Cësa di Ladins („Haus der Ladiner“) und beherbergt interessante Sammlungen, die die Entwicklung der Holzschnitzerei vom 16. Jahrhundert bis heute dokumentieren, sowie geologische und archäologische Entdeckungen des Dolomitengebiets. Eine Dauerausstellung veranschaulicht das abenteuerliche Leben des berühmten Grödner Filmemachers und Bergsteigers Luis Trenker (1892-1990). Das Bestehen und die Arbeit des Museums, das zahlreiche kulturelle Veranstaltungen sowie geschichtliche und wissenschaftliche Forschungsaktivitäten fördert, wären nicht ohne die Union di Ladins de Gherdëina möglich. Dieser gemeinnützige Verein wurde 1946 gegründet und ist Teil der Union Generela di Ladins dla Dolomites, dem wichtigsten kulturellen Verein Ladiniens. Die Union di Ladins de Gherdëina fördert die ladinische Sprache und Kultur durch Fernseh- und Radiosendungen wie auch durch Veröffentlichungen, Ausstellungen, Konzerte und Theateraufführungen.

Da das Tal nur in Richtung Westen offen ist, ist es gut vor den kalten Nordwinden geschützt. Die Seceda, die Geislerspitzen und der Puez sind natürliche Barrieren des Tales, in dem neblige oder windige Tage somit eine wahre Seltenheit sind. Nichtsdestotrotz sollte man die klimatischen Nachteile in alpinen Regionen nicht unterschätzen, denn der Frühling fängt mit erheblicher Verspätung an; wenn, zum Beispiel, in St. Ulrich die ersten Bäume blühen, kann man in Bozen schon die Kirschen ernten. Die Häuser stehen in einem Gebiet zwischen 1150 und 1700 m. Besonders benachteiligt sind davon jene, die sich auf der Schattenseite des Tales befinden. Die Lage der Gebäude kann also eine größere Rolle als deren Höhenlage spielen. Die klimatischen Bedingungen des Tales sind nicht für den Getreideanbau, wie zum Beispiel Weizen, Roggen, Gerste oder Hafer, geeignet. Deshalb bestehen die landwirtschaftlich genutzten Flächen fast ausschließlich aus Wiesen und Weiden. Gröden eignet sich mehr zur Viehzucht dank des ausgezeichneten Heus, das, im Hochgebirge gemäht, auch für die sogenannten „Heubäder“ verwendet wird. Sehr verbreitet ist diese Aktivität auf der Seiser Alm, dem größten Hochplateau Europas. Auch heute noch bedeckt Wald große Flächen der Talhänge, vor allem in der Gemeinde St. Ulrich. Dabei handelt es sich, wie übrigens in ganz Südtirol, um Nadelwald. Laubbäume sind eher selten und die wenigen, die es gibt, wachsen in der Nähe des Grödner Baches. Die Baumgrenze liegt bei etwa 2150 m, während auf etwa 2300 m nur mehr kleine Bäume zu finden sind. Die Wälder bestehen hauptsächlich aus Fichten und Lärchen, aber man findet auch Tannen, Föhren und Zirbelkiefern vor.

Da das Tal nur in Richtung Westen offen ist, ist es gut vor den kalten Nordwinden geschützt. Die Seceda, die Geislerspitzen und der Puez sind natürliche Barrieren des Tales, in dem neblige oder windige Tage somit eine wahre Seltenheit sind. Nichtsdestotrotz sollte man die klimatischen Nachteile in alpinen Regionen nicht unterschätzen, denn der Frühling fängt mit erheblicher Verspätung an; wenn, zum Beispiel, in St. Ulrich die ersten Bäume blühen, kann man in Bozen schon die Kirschen ernten. Die Häuser stehen in einem Gebiet zwischen 1150 und 1700 m. Besonders benachteiligt sind davon jene, die sich auf der Schattenseite des Tales befinden. Die Lage der Gebäude kann also eine größere Rolle als deren Höhenlage spielen. Die klimatischen Bedingungen des Tales sind nicht für den Getreideanbau, wie zum Beispiel Weizen, Roggen, Gerste oder Hafer, geeignet. Deshalb bestehen die landwirtschaftlich genutzten Flächen fast ausschließlich aus Wiesen und Weiden. Gröden eignet sich mehr zur Viehzucht dank des ausgezeichneten Heus, das, im Hochgebirge gemäht, auch für die sogenannten „Heubäder“ verwendet wird. Sehr verbreitet ist diese Aktivität auf der Seiser Alm, dem größten Hochplateau Europas. Auch heute noch bedeckt Wald große Flächen der Talhänge, vor allem in der Gemeinde St. Ulrich. Dabei handelt es sich, wie übrigens in ganz Südtirol, um Nadelwald. Laubbäume sind eher selten und die wenigen, die es gibt, wachsen in der Nähe des Grödner Baches. Die Baumgrenze liegt bei etwa 2150 m, während auf etwa 2300 m nur mehr kleine Bäume zu finden sind. Die Wälder bestehen hauptsächlich aus Fichten und Lärchen, aber man findet auch Tannen, Föhren und Zirbelkiefern vor.