Allgemeine Einleitung

Gröden liegt im Herzen der Dolomiten, die weltweit wegen ihrer senkrechten Felswände und den atemberaubenden Ausblicken bekannt sind. Am 26. Juni 2009 wurde diese Gebirgskette wegen deren Einzigartigkeit und landschaftlichen Schönheit von der UNESCO in die Liste der Weltnaturerbe-Denkmäler aufgenommen. Das Tal gehört zur Autonomen Provinz Bozen – Südtirol und befindet sich im äußersten Norden der Republik Italien. Südtirol grenzt im Süden an die italienische Autonome Provinz Trient, im Südosten an die italienische Region Venetien, im Norden an Österreich, im Nordwesten an die Schweiz und im Westen an die italienische Region Lombardei. Während der Geschichte stand dieses Gebiet unter verschiedenen Herrschaften, bis es 1920 von Italien annektiert wurde. Davor gehörte es zu Tirol, im damaligen Österreich-Ungarn, weshalb auch noch heutzutage die Mehrheit der Südtiroler Deutsch spricht. Nicht nur die sprachliche Vielfalt, sondern auch die besondere Südtiroler Kultur haben im Jahre 1972 dazu beigetragen, dass das Autonomiestatut seitens der Republik Italien anerkannt wurde. Südtirol wird als beneidenswertes Autonomiemodell angesehen, das nicht wenige Minderheiten anstreben. Es basiert auf das friedliche Zusammenleben drei verschiedener Sprachgruppen: der italienischen, der deutschen und der ladinischen. Ladinisch wird in allen fünf Tälern rund um das Sellamassiv gesprochen: in Gröden, im Gadertal, im Fassatal, in Ampezzo und in Buchenstein. Ladinisch ist eine romanische Sprache, die aus der Vermischung des Rätischen mit dem Latein entstand, das sich um 15 v. Chr. durch die Römer in den Alpen verbreitete. Bis vor einigen Jahrhunderten wurde diese rätoromanische Sprache in einem großen Gebiet der Alpen gesprochen. Im Laufe der Jahre verschwand sie jedoch fast vollständig wegen des Einflusses der deutschen Sprache von Norden und der italienschen Sprache von Süden. Außer den Dolomitengebieten gibt es noch zwei weitere rätoromanische Sprachinseln: Eine befindet sich in Graubünden in der Schweiz und die andere in der italienischen Autonomen Region Friaul-Julisch-Venetien. Der Großteil der Grödner (etwa 85-90 %) spricht Ladinisch wie auch Deutsch und Italienisch. Das wird unter anderem durch ein paritätisches Schulsystem gefördert: Die Schüler sind vom ersten Tag an mit diesen Sprachen in Kontakt, die auch als Unterrichtssprache für die verschiedenen Fächer verwendet werden. Zudem gibt es etliche kulturelle Einrichtungen, die die Erforschung, den Gebrauch und die Verbreitung des Ladinischen unterstützen, indem sie sich aktiv in die Redaktion von Zeitungen sowie Fernseh- und Radioprogrammen einbringen, Literatur- und Wörterbücher verfassen und sammeln sowie Konzerte, Ausstellungen und verschiedenste Veranstaltungen organisieren. Das Tal ist somit offiziell dreisprachig, was man auch an den Ortsnamen sehen kann, die immer in allen drei Sprachen angegeben sind.