Wie schon erwähnt, ist das Ladinische die älteste Sprache im Alpenraum: Sie entstand im 1. Jahrhundert n. Chr. aus der Verschmelzung der keltischen Kultur der Räter und jener der Römer. Die verschiedenen Völkerwanderungen waren für diese Sprache eine starke Bedrohung. Glücklicherweise hat sie aber in einigen Seitentälern überlebt: in Gröden, im Gadertal, im Fassatal, in Buchenstein, rund um Cortina d’Ampezzo sowie auch in der italienischen Autonomen Region Friaul-Julisch-Venetien und in Graubünden in der Schweiz. Die ladinische Sprache ist eine der prägendsten Besonderheiten Grödens und hat das Interesse vieler Sprachwissenschaftler geweckt. Auch wenn Ähnlichkeiten mit dem Italienischen bestehen, sind ihre Rechtschreibung, ihr Wortschatz und ihre Aussprache doch sehr anders. Außerdem ist sie tausend Jahre vor der italienischen Sprache entstanden und ist kein Dialekt, wie manche immer noch fälschlicherweise glauben. Leider hat der moderne technologische Fortschritt die Grödner dazu gezwungen, Wörter anderer Sprachen zu verwenden, um neue Begriffe und Gegenstände zu beschreiben, die in der ursprünglichen Sprache nicht zu finden sind. Der Großteil der assimilierten Wörter kommt aus dem Deutschen, dem Italienischen oder dem Englischen, was eine unvermeidliche Verarmung der Sprache selbst mit sich bringt. Eine interessante Tatsache ist, dass die Grödner dank des Ladinischen andere Sprachen sehr viel leichter und schneller erlernen können. Einer der Ersten dies zu bezeugen, war der berühmte Minnesänger Oswald von Wolkenstein, dem seine Ladinischkenntnisse auf seinen vielen Reisen immer von großer Hilfe beim Erlernen anderer romanischer Sprachen waren. Der erste, der sich hingegen auf philologischer Ebene mit der ladinischen Sprache abgegeben hat, war der aus dem Fassatal stammende Pfarrer der Gemeinde St. Ulrich, J. A. Vian. Er führte eine gründliche Untersuchung der ladinischen Grammatik und des ladinischen Wortschatzes durch und sammelte in einem Buch die idiomatischen Formen dieser Sprache. Sein Text war der Ausgangspunkt für die Arbeit vieler anderer Gelehrter. Heute ist die ladinische Sprache offiziell als solche anerkannt und Tausende Lemmata sind mit ihrer Übersetzung und Beschreibung in Wörterbuchern festgehalten. Einige Sprachwissenschaftler schätzen, dass 80 % der ladinischen Wörter vom Vulgärlatein stammen, 15 % vom Germanischen und der Rest von der antiken Sprache der Räter. Im Museum de Gherdëina in St. Ulrich, das 1960 gegründet wurde, kann man viele Zeugnisse der ladinischen Kultur und Tradition besichtigen. Es befindet sich in der Cësa di Ladins („Haus der Ladiner“) und beherbergt interessante Sammlungen, die die Entwicklung der Holzschnitzerei vom 16. Jahrhundert bis heute dokumentieren, sowie geologische und archäologische Entdeckungen des Dolomitengebiets. Eine Dauerausstellung veranschaulicht das abenteuerliche Leben des berühmten Grödner Filmemachers und Bergsteigers Luis Trenker (1892-1990). Das Bestehen und die Arbeit des Museums, das zahlreiche kulturelle Veranstaltungen sowie geschichtliche und wissenschaftliche Forschungsaktivitäten fördert, wären nicht ohne die Union di Ladins de Gherdëina möglich. Dieser gemeinnützige Verein wurde 1946 gegründet und ist Teil der Union Generela di Ladins dla Dolomites, dem wichtigsten kulturellen Verein Ladiniens. Die Union di Ladins de Gherdëina fördert die ladinische Sprache und Kultur durch Fernseh- und Radiosendungen wie auch durch Veröffentlichungen, Ausstellungen, Konzerte und Theateraufführungen.
- Holzschnitzereien
- Gröden / Gherdëina
- Geschichte des Grödner Handwerks
- Geschichte des Grödner Handwerks
- Ersten Formen handwerklicher Heimarbeit
- Die Köppelkunst
- Die Holzschnitzerei
- Die ersten Kaufleute
- Das Bemalen und das Vergolden
- Der Verleger
- Die heimindustriellen Arbeiter
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- Nach dem Zweiten Weltkrieg
- Die Industrialisierung
- Schlussfolgerungen
Die ladinische Sprache und das Museum
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